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Ich bin Pfarrer emeritus in Münster St. Joseph. 

 


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Februar 2017


„Humor“ im Operationssaal
 
Kürzlich war in der Süddeutschen Zeitung eine nette Glosse zu lesen. Es ging darum, dass die harte Arbeit der Ärzte bei einer Operation mit bisweilen schwarzem Humor überspielt wird. Der Humor sei ganz wichtig, so schrieb der Autor; denn das Team der Operateure könne mit unerwarteten Komplikationen besser und souveräner umgehen als Ärzte, die nur gegenseitig sachliche Problemlösungen austauschten. Nehmen wir einmal an, dass das so stimmt: sowohl die Tatsache als solche, aber auch die etwas gewagte Deutung. Warum sollte nicht ein Arzt bei seiner schweren Arbeit auch mal eine lockere Bemerkung machen, die freilich nicht für jedermann bestimmt ist. Auch bei uns Pfarrern gibt es ja manchmal lustige Bemerkungen, die auch nicht unbedingt für alle Ohren bestimmt sind; die Klerikerwitze sind ja nicht gerade selten.
 
Ein befreundeter Arzt hat mir das übrigens mal bestätigt, dass es für die harte Arbeit im Operationssaal manchmal ganz hilfreich sei, wenn die Ärzte auch mal Witze machten, die nicht für die Ohren des Patienten bestimmt sind.
 
Vor Jahrzehnten ist mal der Fall eines berühmten Chirurgen hier in Münster bekannt geworden. Er hatte, als er den Operationssaal betrat, wohl damit gerechnet, dass die Mitarbeiter die Operation schon soweit vorbereitet hatten, dass er nun direkt seine Arbeit machen konnte. Hatten sie aber noch nicht. Und so betrat der Chrirurg den Operationssaal und sagte: „So jetzt wollen wir das fette Schwein mal aufschlitzen!“ Den Mitarbeiter(inne)n blieb das Lachen im Hals stecken, als sie merkten, dass der Mann, „das fette Schwein“, noch gar nicht narkotisiert war. Der arme Patient, der arme Arzt! Denn letzterer hat kräftig für diesen Akt „seelischer Grausamkeit“ bezahlen müssen. Es kann sein, dass er sogar seinen Job verloren hat.
 
Einen anderen Fall habe ich mal mit einer älteren Frau aus meiner Gemeinde erlebt. Sie hatte sich den Oberschenkel gebrochen; es musste nun ein Ersatzteil eingebaut werden, also ein künstliches Gelenk. Sie sagte mir, dass sie auf keinen Fall eine Vollnarkose haben wolle; davor habe sie Angst. Die Ärzte haben sich an den Wunsch der Frau gehalten. Als ich sie nach einigen Tagen im Krankenhaus besuchte, habe ich sie auch nach den Begleitumständen ihrer Operation gefragt; ob sie denn wieder eine solche Operation ohne Narkose, nur mit örtlicher Betäubung, machen würde. „Auf gar keinen Fall!“ sagte sie mir. Ich habe sie weiter  gefragt, sehr vorsichtig natürlich, Dann erzählte sie mir, die Operation selbst habe sie ganz gut überstanden. Aber als die Krankenschwester nach der Operation den Arzt gefragt habe: „Herr Doktor, kann ich die Knochen jetzt in den Müll werfen“, da habe sie, die Patientin, einen Schock bekommen.
 
Das kann man gut verstehen.
  



                                                                            Ulrich Zurkuhlen