Willkommen auf meiner Internetseite.
Ich bin Pfarrer emeritus in Münster St. Joseph. 

 


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Monatsbild Mai 2018 <lesen>

April 2018


Schlimme Nachrichten

 

Es waren wieder schlimme Nachrichten, die da im Fernsehen gesagt wurden; man kann ja heute davon ausgehen, dass mehr schlimme, schreckliche Nachrichten verbreitet werden als gute und froh machende. Es ging also mal wieder um die inzwischen bedrohliche Spannung zwischen den Großmächten. Manche Leute sagen, die politische Atmosphäre sei so schlecht wie seit dem „Kalten Krieg“ nicht mehr. Die Nachrichten, die uns täglich erreichen, lassen manche Menschen in Angst und Depression verfallen.

 

So wunderte es mich nicht, dass der Nachrichtensprecher, nachdem er eine Viertelstunde lang aus aller Welle berichtet hatte, sagte: „Und nun folgen noch einige Kotz-Nachrichten!“ Und dann kamen tatsächlich einige Nachrichten, bei denen es einem zum Kotzen war: Giftgasangriff auf die Zivilbevölkerung in Syrien; Bombadierung einiger Forschungseinrichtungen in Syrien, in  denen diese Giftgas-Waffen wohl hergestellt werden; die USA und einige ihrer Verbündeten gaben ein kriegerisches Signal; ein Amokfahrer, der in Münster zwei Menschen getötet und viele weitere verletzt hatte: die Nachrichten waren wirklich zum Kotzen. Allerdings hatte ich etwas sprachlich missverstanden: Der Sprecher sprach einen etwas affektierten Slang, wie man ihn immer öfter hört. Er meinte nicht, dass die Nachrichten zum Kotzen seien, sondern es waren „Kurznachrichten“; das soll auch ein Mensch verstehen.

 

Ich stelle allerdings immer öfter fest, dass die deutsche Sprache immer mehr verkommt; warum das so ist, weiß ich nicht. Ich denke z.B. auch an den Mann, der vorbeikam, als ich das Grab meiner Mutter pflegte. „Das ist schön, dass auf Ihrem Grab immer eine Katze brennt“, sagte er. Als ich aufblickte, war er schon weitergegangen. Ich hätte ihn gern gefragt, wann er schon mal auf denn Grab eine Katze gesehen habe, die in Flammen stand. Da erst kapierte ich, dass er nicht von einer „brennenden Katze“, sondern von einer „brennenden Kerze“ sprach.

 

Zurück zu den Nachrichten! Ich bin als kleines Kind kriegstraumatisiert worden; oft träume ich vom Krieg, je älter ich werde. Ich habe deshalb vor einiger Zeit einen Psychotherapeuten aufgesucht und ihm meine Geschichte erzählt. Ich habe ihm auch gesagt, dass ich schlaflose Nächte habe, wenn im Fernsehen wieder etwas Schreckliches berichtet wird.  Darauf gab er mir einen klugen Rat: „Gucken Sie sich nie öfter als einmal am Tag die Nachrichten im Fernsehen an!“ Ein weiser Rat, ich versuche ihn zu befolgen.


                                                                            Ulrich Zurkuhlen