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Ich bin Pfarrer emeritus in Münster St. Joseph. 

 


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Monatsbild Dezember 2017 <lesen>

Dezember 2017


Alter

 

Im kleinen Kreis haben wir neulich eine spannende Debatte gehabt. Die Frage war etwa: Wer ist älter, der Ältere oder der Alte? Auf den ersten Blick ist das ja ganz klar: alt – älter – am ältesten. Aber so einfach ist das eben nicht. Eine Gemeinde lädt die Leute „in der dritten Lebensphase“ zu einem Fest ein. Was steht auf der Einladung: Wir freuen uns, wenn alle Alten kommen! Oder: Wir freuen uns, wenn alle Älteren kommen? Wer sind die Älteren? Diejenigen, die eben noch nicht alt sind; auch Sechzigjährige gehören zu den Älteren. Aber die Alten, das sind etwa diejenigen, die so ab 75 Jahren alt sind habe ich jetzt jemanden beleidigt? Wenn ich einen Vortrag halte, sage ich auch lieber: „Die Älteren unter ihnen!“ als „Die Alten unter ihnen.“ Es ist also ganz schön schwierig mit der Steigerung von „alt“!

 

Steigerungen! Der frühere Direktor des Coll. Borromäum hatte unter seinen viele Witzen einen besonderen, eine Steigerung: Klo – Kloster – Am Klösterchen! Wobei „Am Klösterchen“ die Gegend um das relativ kleine Franziskanerkloster mit der Straße „Am Klösterchen“ war: Aber diese Steigerung war natürlich nicht erst gemeint.

 

Als ich vor 40 Jahren Leiter des großen Jungeninternats Loburg in Ostbevern war, machte ich abends gewöhnlich einen Kontrollgang durch die Gänge: War es ruhig im Haus? Manchmal hörte ich, wie ein Schüler seine Kollegen warnte: „Psst! Der Alte kommt!“ Da war ich etwas mehr als 30 Jahre! Alter ist also etwas sehr relatives. Und wenn heute ein Halbstarker zu seinem Freund sagt: „Ey! Alter“, ist das auch keine Altersangabe.  Auch Väter sind manchmal „Die Alten“, auch Betriebsleiter, Bürochefs usw.

 

In unserer Diskussionsrunde meinte einer: „Alter“, das ist ja ein lateinisches Wort und heißt übersetzt „der Andere“: das ist ganz originell, aber Sprachexperten werden das kaum so hinnehmen, dass also Altsein eine andere Formel für „Anderssein“ ist. Nein, das ist es wohl nicht.

 

Übrigens sagen manche Leute: „Man ist so alt, wie man sich fühlt!“ Das mag mal zutreffen, aber es kann auch eine große Selbsttäuschung sein. Es ist wohl nicht ganz unwichtig, wie andere einen einschätzen.

 

Kommen wir zum Anfang zurück: alt – älter – am ältesten. Okey! Aber es ist auch die Steigerung richtig: Der Ältere – der Alte – der ganz Alte.


                                                                            Ulrich Zurkuhlen