Willkommen auf meiner Internetseite.
Ich bin Pfarrer emeritus in Münster St. Joseph. 

 


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Obtober 2016


Kleine Sticheleien

 

Vor einigen Wochen fuhr ich mit der Bahn nach Emden, um mich mit Freunden zu treffen. Unterwegs kamen wir durch Aurich, und ein Mitreisender zitierte das berühmte Wort: „In Aurich ist es traurig, in Leer noch mehr!“ Ich weiß, dass es nicht böse gemeint ist, aber die Ostfriesen reagieren manchmal ein bisschen angefressen auf dieses Wort.

 

Das erinnert mich an einen anderen Spruch, mit dem man gern Leute liebevoll ärgern kann: „Einst schuf der Herr in seinem Zorn erst Münster und dann Paderborn!“  Und schließlich ist in Bocholt gern der Spruch zu hören: „Rhede und Werth sind der Rede nicht wert!“ Natürlich gibt es Leute, die sich darüber ärgern, aber gemeint ist das alles nicht boshaft, sondern freundschaftlich.

 

So, wie ich an meine Jugendzeit in Freckenhorst gut erinnern kann, wenn die Warendorfer und die Freckenhorster ihrer gespielten Abneigung Luft machten. Das war besonders bei Fußballspielen, wenn die Vereine der beiden Orte gegeneinander spielten: Dann riefen die Warendorfer: „Freckenhorster Pielepoggen!“ also: Frösche. Und die Freckenhorster antworteten mit dem Ruf „Warendorfer Ratten.“ Etwas Ähnliches habe ich mal bei einem Fußballspiel  der beiden Nationalmannschaften von Holland und Deutschland in München erlebt. Da war eine riesige Gruppe von holländischen Fußball-Fans schon lange vor dem Spiel im Stadion, und sie riefen mit ohrenbetäubendem Lärm:“ Oh, wat sin de Moffen still!“ Sie wollten damit wohl die deutschen Fans übertönen, was nicht schwierig war, weil die deutschen Zuschauer erst relativ spät ins Stadion kamen. Moffen, das sagen die Holländer zu den Deutschen; und umgekehrt sagen die Deutschen zu den Holländern „Pattjacken“ oder so ähnlich. Auch das war nicht böse gemeint, sondern ein netter akustischer Wettkampf; kein Zeichen von Verachtung, sondern eine nette Schmähung, wie wir es ja bei Comediens und Kabarettisten auch erleben.

 

In diese Kategorie gehören wohl auch die Witze, die man im Grenzbereich über die Nachbar-Nation macht. Ein Busfahrer, der aus der Grenzregion stammte und mit einer ziemlich großen Gruppe in die Niederlande fuhr, fragte mich: „Wissen Sie, was an den holländischen Autos die gelben Nummernschilder mit den schwarzen Zahlen und Buchstaben bedeuten?“ Nein, ich wusste es nicht. Aber der Busfahrer wusste es: „Das sind die Autofahrer, die erst beim dritten Mal die Fahrprüfung bestanden haben!“

 

Ein Freund in Bocholt erzählte mir vor vielen Jahren eine Geschichte, die in ähnliche Richtung geht. Vor dem Bocholter Rathaus trafen sich regelmäßig die Frührentner. Eines Tages kam ein Neuer hinzu. „Wo willst Du denn hin?“ fragten die anderen. „Ich möchte mich bei der VHS für einen Sprachkursus anmelden.  „Und welche Sprache möchtest Du lernen?“ fragten sie. „Nun, ich möchte Latein lernen.“ „Warum das denn?“ fragten sie. „Na, wenn ich in den Himmel komme, ist es gut, Latein zu können.“ Das konnten die anderen verstehen. Einer fragte: „Aber was machst Du, wenn Du in die Hölle kommst?“ „Ach“ sagte der Befragte heiter, „da können doch alle Holländisch.“

 

Also noch mal: Ist nicht böse gemeint.  



                                                                            Ulrich Zurkuhlen