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Ich bin Pfarrer emeritus in Münster St. Joseph. 

 


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September 2016


Das ist doch die Höhe…

 

… oder sollten wir besser sagen: Das ist der absolute Tiefpunkt der Familienplanung. In einer Zeitung wurden „Paare mit Kinderwunsch“ aufgefordert, bereits vor der Schwangerschaft Rat von „Lohnsteuerhilfevereinen und Steuerberatern“ zu holen. Warum? „Um so viel Unterstützung wie möglich zu kriegen“, so stand es da wörtlich zu lesen, also geldliche Unterstützung, das ist gemeint. Der Autor? Das Bundesfamilienministerium. Dieses hat auf einem Online-Rechner eine Information geliefert, nach der man die zukünftigen  Konstellationen berechnen kann, also, wie viel Elterngeld einem zusteht: nicht etwa bei Kindern nach der Geburt; auch nicht bei Kindern in der Schwangerschaft; sondern bei Kindern, die noch gar nicht gezeugt sind. Wenn man das zynisch kommentieren sollte, müsste man sagen, dass das Bundesfamilienministerium den Rat gibt, vor der Zeugung eines Kindes zu berechnen, welchen geldwerten Nutzen das bringt.

 

Damit ist der Zusammenhang von Schwangerschaft bzw. Vor-Schwangerschaft einerseits und dem Geld („So viel wie möglich“!) andererseits klar definiert: Kinder sind laut BFM vor allem eine Frage des Geldes: „Um so viel Unterstützung wie möglich zu kriegen!“ Da kommen einem die Tränen in die Augen bei soviel geschmackloser Berechnung von Kindern.

 

Schwangerschaft ist ein uraltes Thema, seitdem es die Möglichkeit der Abtreibung gibt: eine katastrophale Entwicklung. Dass ein Kind getötet werden darf im Zustand vorgeburtlichen Lebens, ist ein Skandal, aber der wird inzwischen von unserer Gesellschaft völlig akzeptiert. Kinder sind der Beliebigkeit von Eltern und Ärzten überlassen, jedenfalls so lange sie noch in der vorgeburtlichen Entwicklung sind. Aber das stört fast niemanden mehr, auch die Kirche ist seltsam schweigsam geworden.

 

Ich habe vor einiger Zeit gelesen, dass das oberste deutsche Gericht die Kindestötung vor der Geburt mit dem Recht der Selbstbestimmung der Frau unter bestimmten Bedingungen begründet, auch wenn in einer Röntgenaufnahme deutlich das werdende Kind und seine Bewegungen zu erkennen sind. Recht der Mutter? Ich habe immer geglaubt, dass das Recht eines Menschen nicht mehr gilt, wenn es gegen das Recht eines anderen Menschen verstößt. Oder könnte die Frau, der wegen sechsfacher Baby-Tötung vor Gericht stand, einwenden, dass sie nur von ihrem Selbstbestimmungsrecht Gebrauch gemacht habe? Unglaublich.

 

Wie wird es weitergehen? Die Zahl der Tötung von Kindern vor der Geburt ist eine sechsstellige Zahl. Wenn man sich das vorstellt, kann man eigentlich keine Nacht mehr ruhig schlafen. Aber sagen darf man nichts, sonst verstößt man gegen ein gesellschaftliches Tabu. Ich werde jedenfalls keine Partei mehr wählen, die sich nicht eindeutig gegen die Tötung von Kindern auch vor der Geburt ausspricht.


                                                                            Ulrich Zurkuhlen